Orangutan Verhaltensforschung

Richtig verstehen um besser schützen zu können

Vorrangiges Ziel der in Suaq durchgeführten Verhaltensstudien ist es, die Sumatra Orang-Utans aus biologischer Sicht besser zu verstehen. Diese Daten sind eine wesentliche Grundlage um geeignete Strategien zum Schutz der Tiere zu entwickeln, damit deren Überleben gesichert werden kann. Nur wenn wir wirklich verstehen, was Orang-Utans zum Überleben benötigen, werden wir uns auch in die Lage versetzen können, diese langfristig zu schützen. Da Orang-Utans eine sehr lange Entwicklungszeit  zeigen, lässt sich nur mit einer jahrzehntelangen Forschungstätigkeit Einblick in selbst grundlegende Aspekte der Orang-Utan Biologie gewinnen. Die langfristig für Suaq angelegte Datenbank stellt eine einmalige Gelegenheit dar, um genau diese Daten zu erheben.

Daten über einen Zeitraum von mehr als 25 Jahren

In Suaq bauen wir eine einzigartige Langzeitdatenbank über die Biologie und das Verhalten der Sumatra Orang-Utans auf. Indem wir die Tiere von ihrer Geburt an bis ins Erwachsenalter verfolgen, konnten wir zeigen, dass einige der weiblichen Tiere auch im Alter von über 60 Jahren noch erfolgreich Kinder aufziehen. Junge Orang-Utan Weibchen in Suaq gebären erst mit 15-16 Jahren ihr erstes Junges und entwickeln sich daher gar langsamer als bislang angenommen. Junge Orang-Utans bleiben bis zu 10 Jahre an der Seite ihrer Mütter welche nur alle 7 bis 9 Jahre ein neues Junges gebären. Wir können nun auch erste Daten über die Sterblichkeit, den reproduktiven Alterungsprozess erheben, sowie zu ökologischen Faktoren wie den benötigten Lebensraum oder Nahrungskonkurrenz.

Licht auf die Evolution des Menschen werfen

Mit der Forschungstätigkeit an den Suaq Orang-Utans beabsichtigen wir, einen vertieften Einblick in die menschliche Evolution zu gewinnen wie auch in Evolutive Prozesse im weiteren Sinne. Orangutans gehören zu den mit dem Menschen am engsten verwandten Lebewesen wobei sich diese durch eine grosse ökologische Variation und unterschiedliche Verhaltensmuster zwischen den einzelnen Populationen auszeichnen. Damit sind sie für die uns interessierenden Fragestellungen als Modellorganismus hervorragend geeignet. Die Suaq Orang-Utans im besonderen zeichnen sich durch grosse Verhaltensflexiblität aus, welche vermutlich mit ihren herausragenden kognitiven Fähigkeiten einhergeht. Damit sind sie ausgezeichnete Modelle um die menschliche Evolution zu erforschen.

Schutzmassnahmen

Obschon in Nationalpark gelegen ist der Wald von Suaq bedauerlicherweise von zunehmender illegaler Abholzung betroffen. Ein Hauptanliegen des Suaq Projektes ist der Schutz des Orang-Utan Lebensraumes. Durch unsere Aktivitäten auf der Suaq Forschungsstation und die enge Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung tragen wir auf eine effektive Weise zum Schutz des Suaq Regenwaldes und desseb Umgebung bei.

Überwachungspatrouillen

Wir führen regelmässig Kontrollpatrouillen durch, im Forschungsgebiet und den umliegenden Zonen. Dies Patrouillen werden von den lokalen Mitarbeiter an unserer Forschungsstation geleitet. Alle illegalen Aktivitäten werden dabei dokumentiert und anschliessend den zuständigen Behörden berichtet. Wir involvieren auch die in der Nähe liegenden Kommunen, denen wir helfen Konzepte umzusetzen, welche die Durchführung von selbständigen systematischen Kontrollen zum Ziel haben. Diese haben sich bislang als sehr effektiv und nützlich erwiesen.

Arbeit mit den lokalen Kommunen

Die Leitung des Suaq Projektes unterhält enge Kontakte zu den umliegenden Dörfern. Gute Beziehungen sind unabdingbar für effektive Schutzmassnahmen. Die Forschungsstation bietet mehr als 10 feste Arbeitsplätze für die lokale Bevölkerung an, als Techniker, Bootsführer, Köche oder Wächter. Im weiteren haben wir ein System von rotierenden, zeitlich beschränkten Anstellungen. Diese werden als sehr willkommene Alternative für illegale Abholzungsaktivitäten angesehen, die der lokalen Bevölkerung als Einkommensquelle dient.

Förderung der lokalen Kommunen

Wir sind gerade dabei, Förderungsprojekte für die in der Nähe von Suaq gelegenen Kommunen zu entwickeln. Ziel ist es dabei, der lokalen Bevölkerung alternative Einkommensquellen zur illegalen Abholzung zu erschliessen. Nur wenn die ansässigen Leute in die Lage versetzt werden, sich selber zu versorgen, etwa dadurch, dass sie zur Erhaltung des Waldes aktiv beitragen, werden Schutzmassnahmen auch wirklich von Erfolg gekrönt sein.

Suaq als Plattform für indonesische und ausländische Forscher

Die Suaq Forschungsstation ist eine Plattform geworden für Forschungstätigkeiten von Studenten und Wissenschaftlern aus der ganzen Welt. Sie bietet auch indonesischen Studenten die Möglichkeit, Projekte in Zusammenarbeit und mit der Unterstützung von AIM durchzuführen. Seit 2007 sind insgesamt 17 Bachelor-, Master- und PhD Projekte von indonesischen Studenten von UNAS, Studenten der Universität von Zürich und anderen europäischen Universitäten realisiert worden. Viele dieser Projekte haben zu Erkenntnissen geführt, die in renommierten wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht wurden.