Forschungsstation

Aktivitäten an der Suaq Forschungsstation

Wir beobachten wilde Orang-Utans, damit sie eine Zukunft haben. Und wir tun es gemeinsam mit den Menschen, die am Wald leben.

Unsere Arbeit in Suaq hat drei Teile. Jeder braucht die anderen.

01

Verstehen

Wer sie schützen will, muss sie verstehen

Ausser uns Menschen lebt kein Säugetier so langsam wie der Orang-Utan. Was er zum Überleben braucht, zeigt sich erst über Jahrzehnte – darum beobachten wir ihn über Jahrzehnte.

Lois schaut seiner Mutter Lisa beim Fressen zu.
Lois schaut seiner Mutter Lisa beim Fressen zu. Foto: Julia Kunz, 2014

Hinschauen, Tag für Tag

Unsere Verhaltensstudien haben zuerst ein Ziel: die Sumatra-Orang-Utans als Tiere zu verstehen – wie sie leben und was sie brauchen. Dieses Wissen ist die Grundlage für einen Schutz, der wirkt. Nur wenn wir wirklich verstehen, was ein Orang-Utan zum Überleben braucht, können wir ihn auf Dauer schützen.

Lois beim Trinken.
Lois beim Trinken. Foto: Caroline Schuppli, 2013

Ein Leben, von Geburt an

In Suaq begleiten wir Orang-Utans von der Geburt bis ins Erwachsenenalter, und unsere Aufzeichnungen reichen über 25 Jahre zurück. Sie zeigen, wie langsam diese Menschenaffen leben: Ein Weibchen bekommt sein erstes Junges mit 15 oder 16 Jahren, ein Junges bleibt bis zu zehn Jahre bei seiner Mutter, und manche Weibchen ziehen mit über 60 noch Junge auf.

Jetzt sammeln wir auch erste Daten zur Sterblichkeit, zum Altern und zur Fortpflanzung, dazu, wie viel Wald ein Orang-Utan braucht, und wie er zurechtkommt, wenn andere um sein Futter konkurrieren.

Ellie sucht in einem hohlen Zweig nach Ameisen.
Ellie sucht in einem hohlen Zweig nach Ameisen. Foto: Caroline Schuppli, 2010

Ein Fenster zu unserer eigenen Evolution

Orang-Utans gehören zu unseren nächsten Verwandten, und ihre Populationen unterscheiden sich stark darin, wie sie leben und sich verhalten. Das macht sie zu einem guten Modell für Fragen zur Evolution des Menschen und zur Evolution überhaupt, etwa wie sich Denkvermögen entwickelt.

Die Orang-Utans von Suaq sind in ihrem Verhalten besonders flexibel: Sie benutzen regelmässig Werkzeuge. Das geht sehr wahrscheinlich mit hohen kognitiven Fähigkeiten einher und macht sie zu einem besonders spannenden Modell für unsere eigene Evolution.

Ein Orang-Utan-Leben in Zahlen

15–16

Jahre alt ist ein Weibchen bei seinem ersten Jungen

10

Jahre bleibt ein Junges höchstens bei seiner Mutter

7–9

Jahre liegen zwischen zwei Geburten

60+

Jahre alt – und manche Weibchen ziehen noch Junge auf

02

Schützen

Den Wald schützen wir mit den Menschen, die an ihm leben

Den Lebensraum der Orang-Utans zu schützen, ist ein Kernanliegen des Suaq Project. Unsere Arbeit an der Station und die enge Zusammenarbeit mit den Dörfern rundherum helfen, den Wald von Suaq und seine Umgebung zu bewahren.

Eine Schulklasse im Sumpfwald.
Eine Schulklasse im Sumpfwald.

Schule im Wald

Wir besuchen regelmässig die Schulen der Region und holen Oberstufenklassen an die Station. Junge Menschen sollen sehen, warum Orang-Utans und die Natur wichtig sind. Wir hoffen, dass es sie ermutigt, ihre Wälder zu schützen und ihre eigenen Lebensbedingungen zu verbessern.

Saidi und Sofia beim Erfassen von Daten.
Saidi und Sofia beim Erfassen von Daten. Foto: Irwan, 2016

Arbeit statt Abholzung

Wir pflegen engen Kontakt zu den umliegenden Dörfern: Gute Beziehungen sind die Voraussetzung dafür, dass Schutz wirkt. Die Station beschäftigt über zehn Leute aus der Region fest, als Feldtechniker, Bootsführer, Köche und Wächter, und bietet weitere befristete Stellen im Wechsel an.

Für viele sind diese Stellen eine willkommene Alternative zur illegalen Abholzung als Einkommen.

Fikar und Armas bei der Arbeit im Wald.
Fikar und Armas bei der Arbeit im Wald. Foto: Team des Suaq Project, 2016

Ein Einkommen, das den Wald braucht

Mit den Gemeinden in der Nähe von Suaq bauen wir Projekte auf, die andere Einkommensquellen als die illegale Abholzung erschliessen. Schutz hat nur Bestand, wenn die Menschen hier für sich selbst sorgen können – und mit dem stehenden Wald besser fahren.

03

Teilen

Eine Station für Forschende aus Indonesien und der ganzen Welt

Suaq ist ein Ort geworden, an dem Studierende und Forschende aus vielen Ländern ihre Feldarbeit machen – und an dem indonesische Studierende mit unserer Unterstützung eigene Projekte durchführen.

Seit 2007 sind in Suaq über 30 Bachelor-, Master- und Doktorarbeiten entstanden: von indonesischen Studierenden der Universitas Nasional (UNAS), von Studierenden der Universität Zürich und weiterer europäischer Universitäten. Viele davon sind in renommierten Fachzeitschriften erschienen.

Steven und Irwan beim Datensammeln.
Steven und Irwan beim Datensammeln. Foto: Team des Suaq Project, 2017
Daumen hoch: Sofia bei der Arbeit im Wald.
Daumen hoch: Sofia bei der Arbeit im Wald. Foto: Saidi, 2017

1994

begann die Forschung in Suaq

10+

feste Stellen für Leute aus der Region

30+

Abschlussarbeiten seit 2007

Selbst in Suaq forschen?

Wir nehmen Studierende und Forschende mit eigenen Projekten auf. Schreib uns, woran du arbeiten möchtest.

Datenaufnahme im Wald